Deutsche Hallenmehrkampfmeisterschaften, Halle/Saale (26./27.01.)

Jannis Wolff erkämpft sich mit blutiger Nase einen achtbaren 7. Platz im Männersiebenkampf

Trotz der schlechten Wintertrainingsbedingungen im Kreis Aachen entschied sich Jannis Wolff für eine Teilnahme an den Deutschen Hallenmehrkampfmeisterschaften und reiste am Freitag in das 500 km entfernte Halle/Saale. Leider, leider musste die Anfahrt ohne die eigenen Stabhochsprungstäbe erfolgen. Der dafür vorgesehene Dachgepäckträger stellte sich für die lange und schwere Stabbox als nicht hinreichend belastbar heraus. Dieser Umstand machte dem sonst so gut gelaunten Zehnkämpfer schwer zu schaffen, da sein letzter Stabhochsprungwettkampf im Juni des vorigen Jahres mit einer langwierigen Rückenverletzung geendet hatte. Die Vorstellung mit einem ihm völlig fremden Stab bei den Meisterschaften springen zu müssen, gehört nicht in die "Best-off-Liste" eines Athleten.

Nichtsdestotrotz, der Einstand über die 60m Distanz gelang perfekt mit Blitzstart und in neuer stark verbesserter persönlicher Bestzeit von 7,23 Sekunden. Der anschließende Weitsprung (ohne ein einziges Techniktraining in diesem Winter) war nur kurz hinter seiner besten Hausmarke zurück und mit 6,76 Meter ebenfalls ein schöner Erfolg. Die nächste Disziplin, das Kugelstoßen verlief dann nicht nach Plan. Obwohl die Kraftwerte von Jannis deutlich verbessert sind, konnte das mehr an Kraft nicht in Weite umgesetzt werden. Enttäuscht musste er sich mit 11,43 Meter zufrieden geben. Die Schussdisziplin war der Hochsprung. Nachdem am vorigen Wochenende aus nur fünf Schritten eine tolle Höhe erreicht wurde, hatte sich Jannis bei einem Anlauf von 7 Schritten eine Leistung über seiner Bestleistung erhofft. Die Umstellung schien zunächst bis 1,91 m gut zu funktionieren. Bei der Sprunghöhe von 1,94 m war im ersten Versuch plötzlich seine Ablaufmarkierung verschwunden. Die genaue Ablaufposition konnte nicht mehr gefunden werden und somit war ohne richtigen Anlauf diese Höhe nicht mehr zu überwinden. Sehr schade.

Der zweite Tag startete mit dem 60m-Hürden-Lauf. Jannis haderte mit dem Anlauf und stieß gegen die erste Hürde. Danach kam er gottseidank fehlerfrei ins Rennen und finishte mit guten 8,72 s. Dann kam die Zitterdisziplin, der Stabhochsprung. Dank der besonderen Kameradschaft innerhalb des Kreises der Mehrkämpfer bekam Jannis für den Wettkampf einen Stabhochsprungstab von seinen Konkurenten für das Einspringen geliehen. Unter den Augen und der Betreuung des Bundestrainers konnte Jannis im Einspringen das nötige Selbstbewußtsein und Gefühl für den Stab bekommen, um den Wettkampf zu beginnen. Bei der Anfangshöhe von 4,10 m und seinem ersten Versuch passierte es dann, dass Jannis bei der Lattenüberquerung mit den Knien die Latte nach unten drückte. Diese bog sich erst gewaltig durch, rutschte dann von seinen Knien ab und schlug nach oben in sein Gesicht. Benommen und mit blutiger Nase und eingerissener Lippe wurde Jannis im Anschluß von den Sanitätern behandelt. Der Wettbewerb wurde kurz unterbrochen, aber Jannis musste sogleich seinen zweiten Versuch beginnen... oder den Wettkampf abbrechen. Das hätte sicherlich jeder verstanden, aber Jannis entschied sich für das Weitermachen. Er lief zum zweiten Mal an... und es klappte. Mit einem Bilderbuchsprung sprang er hoch über die Latte. Die nächsten Höhen nahm er ebenfalls im ersten Versuch und wechselte schließlich sogar auf einen härteren, ebenfalls unbekannten Stab. Mit diesem überwand er die Höhe von 4,50 m. Erst bei seiner Bestleistungshöhe von 4,60 m riss er drei Mal. In der nachfolgenden Pause kam Jannis langsam wieder zur Ruhe und bekam wenig überraschend Kopfschmerzen. Den abschließenden 1000-m-Lauf lief er wie geplant an, aber im Verlaufe der 5 Runden wurde sein Schritt immer langsamer und schwerer. Sicherlich ist das nicht verwunderlich nach einer derartigen Energieleistung wie sie beim Stabhochsprung stattgefunden hatte. Entsprechend fiel seine 1000-m-Zeit mit erreichten 3:01,24 min. aus. "Nicht schlimm" findet Jannis und freut sich über die guten Leistungen und unvergesslichen Erfahrungen, die er an diesem Wochenende machen durfte.

Als seine Trainerin und Mutter ziehe ich meinen Hut vor dem Mut und der Kaltschnäuzigkeit, nach einem derartigen Missgeschick den Wettkampf so erfolgreich fortzusetzen. Die schmerzende Nase und die dicke Lippe sind bald schon Vergangenheit, aber die Ereignisse des Wettkampfes werden wertvolle Meilensteine zur Bewältigung der kommenden Aufgaben sein. Chapeau, Jannis!

 

 

7. Wolff, Jannis 1998 NO  Aachener TG 5.075 Pkt.  



  7,23   - 6,76   - 11,43   - 1,91                
  802   - 757   - 572   - 723                
  8,72   - 4,50   - 3:01,24                      
  809   - 760   - 652