Länderkampf USA-Deutschland, Thorpe-Cup, Düsseldorf-Rath (29./30.07.)

Bei seinem zweiten Einsatz für Deutschland schafft Nico den Sprung in die Mannschaftswertung und erringt mit dem deutschen Team einen Sieg über die Jungs aus den USA

Nach dem Ratinger Zehnkampf war die Einladung an Nico ausgesprochen worden, an diesem Wochenende ging es nun darum im Nationaltrikot für das deutsche Team um sportliche Ehren zu kämpfen. Für Nico ist das kein Pflichtprogramm, sondern ein absolutes Highlight des Wettkampfjahres. So freute er sich denn auch "wie ein Kind auf Weihnachten" auf seinen Auftritt im Düsseldorf-Rather Waldstadion. Die Anreise erfolgte bereits am Donnerstag, damit Pressetermin, Empfang im Düsseldorfer Rathaus, die Einkleidung der Mannschaft und ein Kennenlernprogramm mit der amerikanischen Mannschaft gestaltet werden konnte. Allein diese Vorbereitungen versetzen die Athleten in einen besonderen "Zustand" und schwören sie auf den kommenden Wettkampf ein.

Am Samstag ging es mit dem Einmarsch der Mannschaften und mit dem Abspielen der Nationalhymnen los, bevor die Wettkämpfe gestartet wurden. Nico ging gut vorbereitet in seinen Zehnkampf, lediglich seine Knie hatten sich in den letzten Wochen mit leichten Schmerzen gemeldet, so dass das Training weniger sprint- dafür mehr techniklastig ausgeführt worden war. Seiner Sprintform hatte das nicht geschadet... das bewies Nico beim 100m Sprint mit leichtem Gegenwind und einer Zeit von 11,00 sec. Da es sich bei dieser Veranstaltung um einen Teamkampf handelt, bei dem die gesamte Athletengruppe der Deutschen und Amerikaner gemeinsam startet, wurden die Disziplinen an beiden Tagen immer mit einer halbstündigen Zwischenpause fortgeführt. Der Weitsprung folgte insofern kurz auf den Sprint. Hierbei zeigte unser angehender Bundespolizist, dass diese Sprungdisziplin zu seinen Lieblingsübungen zählt. Nach einem ungültigen ersten Versuch sprang er mit 7,09 m im Zweiten bereits über die 7-m-Schallmauer und toppte seine Leistung im dritten Durchgang noch einmal deutlich. Er landete bei 7,47 m, stellte damit eine neue persönliche Bestleistung auf und freute sich unbändig mit seinen Teamcoaches und den Mannschaftskollegen. Das Adrenalin aus seinem Wettkampf nahm er mit in das nachfolgende Kugelstoßen. Er wuchtete das Gerät mit lautem Schrei auf sehr gute 14,20 m und konnte mit hervorragenden Ergebnissen seinen Hochsprungwettkampf angehen. Nach sehr gutem Einspringen klagte unser Zehnkämpfer über immer stärker werdende Fußbeschwerden. Auslöser hierfür war die enorme Absprungbelastung beim Weitsprung gewesen. Glücklicherweise wechselt Nico seinen Sprungfuß beim Hochsprung, so dass die Beeinträchtigung vor allem beim Kurvenanlauf auftrat, nicht aber beim Absprung. Mit ein wenig Verunsicherung schaffte er sich mit einigen Fehlversuchen in den Wettkampf hinein und überquerte gute 2,02 m. Sowohl Athlet als auch Trainerin waren sich einig, dass mehr "drin" ist. Da braucht es halt einen oder mehrere weitere Wettkämpfe, dann kriegt er das bestimmt noch hin. Vor dem abschließenden 400-m-Lauf signalisierte Nico, dass er starke Schmerzen habe. Allerdings gibt ein Teamplayer nicht so einfach die Zügel aus der Hand. Die tröstende Ansage der Trainerin "Du wirst es beim Lauf nicht merken" bewahrheitete sich glücklicherweise, so dass unser Athlet seine Sprintfähigkeiten auch auf der Stadionrunde ausnutzen konnte. Er steigerte nach einem beherzt angegangenen Rennen seine Bestleistung auf 48,85 sec im Sog der starken Konkurrenz. Die Punktzahl nach dem ersten Tag bedeutete somit wieder eine Steigerung der persönlichen Bestmarke gegenüber Ratingen vor vier Wochen.

Der zweite Wettkampftag stand aufgrund der starken Schmerzen im linken Fuß unter keinem guten Stern. Der betreuende Arzt und der Physiotherapeut hatten alle Hände voll zu tun, um Nico wettkampffähig zu machen. Gerade die erste Disziplin des zweiten Tages, der Hürdenlauf, ist eine starke Belastung für die Füße. Ein wenig vorsichtig und sehr um saubere Hürdenüberquerung bemüht, absolvierte unser Zehnkämpfer die Strecke in 15,38 sec, was angesichts der widrigen Voraussetzungen gar nicht übel war. Es folgte der Diskuswurf, bei dem die Schmerzen erträglich waren, und der doch nicht gelingen wollte. Die meisten Werfer kennen das Phänomen... im Training fliegen die Dinger, im Wettkampf nicht !! 37,71 m stand am Ende in der Ergebnisliste, das war eine herbe Enttäuschung. Aber im Teamwettkampf kommt es nun einmal nicht auf die Einzelleistung an (es werden ja insgesamt 50 Disziplinen zusammen gerechnet), also schütteln und weitermachen... Mittlerweile ging das Gehen in ein Humpeln über. Nur mit großer Willenskraft schaffte Nico den Anlauf zum Stabhochsprung und konnte mit den übersprungenen 4,05 m wirklich zufrieden sein. Beim Speerwurf ging dann nichts mehr zusammen. Nur mit Mühe gelang ihm ein Wurf über die 40-m-Marke. Die erreichten 40,73 m wirft er im Training aus dem Stand. Allein sein Start für Deutschland und für sein Team ließen Nico diese Enttäuschungen verkraften und den Zehnkampf beenden. Er wusste, dass er in die Mannschaftswertung kommen würde, wenn er den Wettkampf zuende bringen könnte. Wer Nico kennt, der weiss, dass ihm das Motivation genug ist, allen Schmerzen und enttäuschenden Leistungen des zweiten Tages zum Trotz. Mit schmerzverzerrtem Gesicht humpelte er beim abschließenden 1500-m-Lauf hinter seinem Teamkollegen Nils Kruse her, der den gesamten Lauf vor ihm lief und ihm dabei half ins Ziel zu kommen. Deshalb an dieser Stelle einen ganz lieben Gruß für die gelebte sportliche Fairness. Nils, das war spitzenklasse, Du hast einen gut bei uns... ;-) Hier zeigte sich einmal mehr die tolle Teambildung der deutschen Mannschaft. Es war wunderbar anzusehen, wie sich die Athleten gegenseitig halfen und sich anfeuerten. Gerade diese Bilder machen aus derartigen Wettkampfformaten etwas ganz Besonderes.

Eine Geschichte am Rande möchte noch erzählt werden, weil sie veranschaulicht, welcher Geist dieser Veranstaltung innewohnt. Vor dem finalen 1500-m-Lauf stand Dr. Peter Kluth (Vereinsfunktionär des gastgebenden Vereins) ohne Mikrophon vor der Haupttribüne und richtete sein Wort an die Zuschauer. Es war sofort mucksmäuschenstill und so verstanden alle, was er zu sagen hatte: " Wir haben hier zwei Zehnkämpfer, die können bei einem perfekten 1500-m-Lauf erstmalig die 8000-Punkte-Marke knacken (Ituah Enahoro und René Stauß). Bitte verteilen sie sich alle um die gesamte Bahn und feuern sie die beiden über die gesamte Stadionrunde an, damit dies gelingt. Kein geringerer als der Weltmeister Trey Hardy wird für Ituah während des Laufes das Tempo machen."  Welche Ehre! So ist es dann auch geschehen. Die Zuschauer waren verteilt und schrieen unsere Läufer an, der Weltmeister machte Tempo für einen Youngster und beide deutschen Zehnkämpfer übertrafen die 8000 Punkte-Marke. Ein toller Wettkampf mit ganz besonderem Flair ging damit zuende.

Beide Mannschaften feierten in Anschluß an die gelungene Veranstaltung bis in die Nacht hinein (es soll ziemlich "früh" geworden sein).

Nico hat sich in dreierlei Hinsicht verbessert. Er hat mehr Punkte errungen als beim Thorpe-Cup vor zwei Jahren, er ist als fünfter Zehnkämpfer in die Mannschaftswertung gekommen (vor zwei Jahren war er Sechster und nicht in der Wertung) und er hat gemeinsam mit dem Team die amerikanischen Athleten besiegt. Ganz große Klasse!

Bleibt zu wünschen, dass er im kommenden Jahr die Gunst der Stunde nutzen kann und nach Amerika mitgenommen wird, denn dann sollte der Ländervergleich turnusmäßig wieder in der USA stattfinden.

 

Nicos Ergebnisse:


100m  -  11,00s
Weitsprung  -  7,47m  persönliche Bestleistung
Kugelstoß  -  14,20m
Hochsprung  -  2,02m
400m  -          48,85s   persönliche Bestleistung


------------------------------------ 4219 Punkte am ersten Tag (persönliche Bestleistung)

110m Hürden  -  15,38s
Diskuswurf  -  37,71m
Stabhochsprung  -  4,05m
Speerwurf  -  40,73m
1500m  -  4:50,18 min
------------------------------------- 7343 Punkte